zwounddreissig sechzehn acht

Wem sagt eigentlich der Name Günther Sigl noch was?

Nicht mehr vielen Menschen, stelle ich fest. Außerhalb des Freistaates scheitern die meisten Menschen an dem Namen des mittlerweile 74jährigen. Seine Band hingegen – an die erinnern sich noch viele, die in den 80er Jahren groß geworden sind.

Die Spider Murphy Gang.

Und die meisten erinnern sich an „Skandal um Rosie“, wie der Song übrigens nicht heißt. Der Titel des Stücks, das in den 80ern die höchste Sperrquote eines Popsongs in Deutschland erreicht hat, ist vielmehr „Skandal im Sperrbezirk„. Vielleicht der schwächste Song der Band, aber eben provokativ. Acht Wochen auf 1 waren das Ergebnis – und böses Blut bei jeder Radiostation im Land und diversen Eltern, die die LP damals finanziert hatten.

Schade, dass sich die Erinnerung an die restliche Band nicht gehalten hat. Die Spider Murphy Gang hat sich wirklich was getraut. In den 70ern mit richtig klassischem Rock N Roll im Stil des Chuck Berry. Da brauchst du Nerven. Aber neben dem Rosie-Wunder und dem klassischen Rock N Roll haben sie vor allem ein getan: Mutig in Mundart gesungen.

Und Günter Sigl gehört klar zu denen, die mit der Mundart spielen konnten.

Ein Komödiant erster Klasse. Der intelligente Clown, der sich vermutlich die ganze Zeit stumm kaputt gelacht hat. Und ein Wort-Akrobat erster Klasse, der dafür nicht ausreichend gewürdigt wird.

Man lasse sich mal den hier auf der Zunge zergehen.

Ja, gestern hamma ghascht
Doch heidstag schnupf ma Kokain
Und moagn sitz ma in Stadlheim
Aba hauptsach mia san in
In da Schickeria, in da Schickeria

War ein Riesenhit, den damals kein hochdeutsch sprechender Hörer verstanden hat – begriffen schon mal gar nicht.

Und das Schul-Leben der 70er

I sog: „Geh‘ weida, Toni, zünd’ma glei‘ oane o!
Soll’n die Anderen si plogn, na des is nix für mi,
Jetzt lass’mas uns guad ge, da Toni und i!
Und rauchen zwoa Zigaretten
Zwoa Zigaretten
Zwoa Zigaretten auf der Schultoiletten,
Mei bester Spezl und i.

Große Unterhalztung. Gerne auch gepaart mit einem sympathischen Loser-Image, das sich vor allem in wenig Geschick bei den Frauen findet, für die kaum ein Menschmehr herzige Begriffe aus dem Bajuwarischen gesaugt hat wie Günter Sigl.

Zum Beispui sitz i im Café
I hob scho zoit und wui grod geh
Do sig i’s sitzn, schee wia d’Loreley
A so a Hos, mei liaba Specht
I ruck ma mei Krawattn zrecht
Und denk de lodst glei auf a Cola ei!

Ich bin ihm sehr dankbar für seine sprachwitzelnde Inspiration und empfehle jedem das Album Dolce Vita – am besten mit Textblatt daneben und aan gescheitem Weißbier und a Leberkässemmeln mit Wurzinger Senf.

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